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"So eine gemeine Mama hast Du!" - über ungefragte Einmischungen in die Erziehung


Jede Mama kennt sie und ist genervt von ihnen: Ungefragete Tipps und Ratschläge. Wenn Fremde anfangen, sich in die Erziehung der Kinder einzumischen und es doch "nur gut meinen", kann einem schonmal der Kragen platzen...

 Meine Mama hat mir immer erzählt, dass sie total davon genervt war, dass meine Oma sich ständig eingemischt hat, als ich gerade geboren war. Das ging wohl so weit, dass sie zurück ins Haus gerannt ist und mir eine Mütze geholt hat, obwohl meine Mutter entschieden hatte, dass ich keine bräuchte. „Nie werde ich das machen! Das hat mich immer so genervt!“ – So weit, so gut der Vorsatz.

 

Aber kaum war auch sie Oma, kamen die gut gemeinten Einmischungen. Allerdings geschickt getarnt: „Uns haben sie früher immer gesagt, dass…“ oder „macht man das mittlerweile so und so…?“ Jaja… die guten Vorsätze. Wobei ich fairerweise sagen muss, dass meine Mutter eine tolle Oma ist und häufig sagt: „Wenn ich das früher schon gewusst hätte. Das ist so viel besser als damals!


Viel schlimmer finde ich es, wenn wildfremde Leute meinen, überall ihren Senf dazugeben zu müssen

„Das Kind braucht eine Mütze!“ „Das Tragetuch ist doch viel zu eng. Das Kind bekommt keine Luft?“ „Stillen Sie etwa noch?“ „Das Kind fällt bestimmt gleich aus der Trage!“ „Das Kind ist noch zu klein, um alleine zu essen! Sind Sie zu faul für Brei?“

Als zweifach-Mama könnte ich immer so fortfahren


Als Mama wirst auch Du diese Liste bestimmt beliebig erweitern können. Kaum hat man den Kreißsaal als frischgebackene Mama verlassen, kommen ungefragte Ratschläge von allen Seiten (eigentlich fängt das ja schon in der Schwangerschaft an, aber da mag ich gerade gar nicht dran denken: Baden? Ja, nein, nicht zu heiß, nicht zu kalt! Himmlischer Herrgott, putz doch keine Fenster! – grmpf!)

 

Aber hier kommt mein bisheriges Highlight, das ich Dir nicht vorenthalten will.

Es trägt den Titel:


"So eine gemeine Mama hast Du!"


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Wir stehen an der Kasse des von meiner Tochter heiß geliebten Supermarktes.

Das Töchterchen ist gerade 14 Monate alt, sitzt im Tragetuch, betrachtet meine Ohrringe und ist ganz zufrieden mit sich und der Welt. Vorher hatte sie beim Bäcker ein halbes Brötchen geschenkt bekommen, an der Theke dann zwei Scheiben Käse abgesahnt. Brötchen und eine Scheibe Käse waren im Nu gegessen, das zweite Käsestück hat mir das  Mäusekind dann schon zermatscht in die Hand gedrückt, weil sie nicht mehr mochte.

 

Da die Schlange an der Kasse ziemlich lang ist, bleibt für die Rentnerinnen hinter uns genug Zeit für Gespräche:

 

Auweia, die Kleine da vorne ist doch schon viel zu groß für so ein Ding.

- „Ja, unsere Nachbarin hat auch so ein komisches meterlanges Ding. Kann man auch einfach einen Kinderwagen mitnehmen. Das ist so viel praktsischer!

 

– Richtig geraten: Die beiden älteren Damen hinter uns in der Warteschlange vertreiben sich die Wartezeit, indem sie wenig dezent über mich und unser Tragetuch diskutieren. Ich lächel sich freundlich an, gehe aber nicht weiter darauf ein. Ich bin ein Buddha, das bringt mich nicht aus dem Konzept – ooooom!

 

Wir sind jetzt an der Reihe. Für das bereits gesättigte Kind folgt - genau - Gang vier des Supermarkt-Menüs: „Möchte die Kleine einen Keks haben?“ – schwupps, wedelt die Kassiererin ihr mit der Keksdose unter der Nase herum (jetzt weißt Du spätestens, warum unsere Tochter dort so gerne einkaufen geht ;-)).

 

Ich antworte für meine Tochter: „Nein danke, sie hat schon so viel bekommen, das nächste Mal gerne wieder!“ – für Töchterchen, Kassiererin und mich völlig ok, aaaaber: Richtig, sofort geht es hinter uns wieder los.

 

Aber nicht untereinander, nein – jetzt werden schwerere Geschütze aufgefahren:

„Du hast doch bestimmt Hunger, oder nicht?“, wird meine Tochter jetzt direkt angesprochen. „Das kannst Du doch bestimmt selbst sagen, oder?“ – okay, ein ganz so perfekter Buddha bin auch ich nicht. Es fängt in meinem Bauch leicht an zu grummeln.

 

„Sie hat sich schon einmal durch den ganzen Laden gegessen und zu Hause gibt es sowieso gleich Mittagessen.“, antworte ich, immer noch um Nettigkeit bemüht.

 

„Darfst Du kleine Maus keinen Keks haben? So eine gemeine Mama hast Du!“ – spätestens jetzt hat es sich ausge-oooomt und sich der Buddha in eine schlecht gelaunte Klapperschlange mit Hunger verwandelt.

 

Dennoch, siegt meine gute Erziehung gegenüber dem Impuls irgendeine Unverschämtheit zurückzugeben. „Wir beide kommen schon klar!“ – die letzten Tomaten krachen in den Einkaufswagen. Bezahlen und Arrivederci. Draußen donnere ich mit dem Einkaufswagen über den Parkplatz und während ich die Einkaufstaschen ins Auto hieve, fluche ich dann doch ein bisschen vor mich hin – aber nur ganz leise :-)


Ich habe nichts gegen vernünftige Ratschläge...


Ich habe ja echt nichts gegen vernünftige Ratschläge, manchmal erleichtern diese einem ja auch einiges. Aber als vegetarisch lebendes Elternpaar in einem schönen Dorf im Sauerland, das für seine Babys Stoffwindeln benutzt, sie in den Schlaf begleitet und das Baby am Sonntagmorgen auf dem Rücken im Tragetuch spazierenträgt, kann es manchmal echt anstrengend mit den „guten“ Tipps von Hinz und Kunz, Hans und Franz sein. Da hilft nur die Devise „Nicken. Lächeln. A…ch denken.“

 

Und trotz dieser Einstellung: Es nervt. Und zwar wirklich gewaltig. Ob man will oder nicht. Und dann ärgere ich mich, weil ich mir über solche Einmischungen ärgere. Ich habe den Damen ja auch nicht gesagt, sie sollten mal lieber ihre Mettwurst wieder ins Kühlregal legen und stattdessen auf Paprika umsteigen.

 

Meistens fällt einem die schlagfertige Antwort ja erst zu Hause ein – ist wahrscheinlich auch besser so. Höflich bleiben und schnell weg, bevor noch was passiert. Diskussionen würden in diesen Situationen wahrscheinlich sowieso nichts bringen.


Das Gefühl sich rechtfertigen zu müssen


Was mich an diesen ungefragten Einmischungen aber am meisten stört ist , dass man ständig das Gefühl hat, sich rechtfertigen zu müssen. Zu total privaten Dingen.

 

Wen außer mich, meinen Mann und meinen Kindern geht es bitteschön etwas an, wie wir essen, schlafen und wer wie wo in welche Windel macht?

 

Ein bisschen mehr Toleranz wäre hier bitter nötig, denn jede Familie funktioniert anders und findet ihr eigenes funktionierendes Modell. Da braucht sich doch wohl wirklich niemand einzumischen. Oder wie siehst Du das?


Wenn Müttern anderen Mamas das Leben schwer machen


Allerdings sind es ja nicht nur Fremde. In Stilltreffs, Pekipkursen, Krabbelgruppen fällt es immer wieder auf: Besonders Mütter machen anderen Müttern das Leben schwer. Flasche oder Stillen. Alleine schlafen oder Familienbett. Tragen oder schieben. Papa nimmt Elternzeit oder auch nicht. Manche Mamas sind da echt schon wie die Missionarinnen unterwegs (ich gebe zu, auch ich bin was das Tragen und Fingerfood angeht seeehr überzeugt – aber auch nicht böse darum, wenn mir dann jemand sagt, dass er mit seinem Kinderwagen oder Brei glücklich ist…) – eben jeder so, wie er mag.

 

Diskussionen und ein offener Meinungsaustausch sind extrem wichtig und breichernd, ja. Es darf aber nie so enden, dass man sich als schlechte Mutter fühlt!

 

Denn genauso wie Du, bin auch ich immer bemüht, das Beste für meine Kinder zu tun. Und nur, weil ich es anders mache, als Frau Naseweis an der Kasse, mache ich es bestimmt nicht schlecht! Das sollten wir Mamas uns gegenseitig viel häufiger sagen, anstatt uns angebliche Fehler unter die Nase zu reiben.


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Welche Einmischungen und gutgemeinte Tipps

bringen Dich auf die Palme? Und wie reagierst Du darauf?

 

Hast Du eine gute Strategie hierfür?

- Her damit! Tausende Mamas freuen sich darauf!

 

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Carina Morgenroth, Wirtschaftspsychologin (B.SC.), Coach, Mama von zwei tollen Kindern, verrückt nach Agatha Christie-Krimis und das Gesicht von Mama-Glück.

Mein Ziel ist es,

Dich dabei zu unterstützen, glücklich und entspannt Mutter sein zu können

und Deine privaten und beruflichen Ziele zu verwirklichen.


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