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Was Teilzeit-Mamas alles leisten...


Teilzeit-Mum – Verkaufe ich mich unter Wert?  Warum diese Aussage völliger Blödsinn ist…  „Du verkaufst Dich mit Deiner Ausbildung und Deinem Studium völlig unter Wert, wenn Du so lange in Elternzeit gehst und danach nur für ein paar Stunden wieder anfäng

Du verkaufst Dich mit Deiner Ausbildung und Deinem Studium völlig unter Wert, wenn Du so lange in Elternzeit gehst und danach nur für ein paar Stunden wieder anfängst zu arbeiten.

 

Dieser Satz einer Bekannten, die schon während des Mutterschutzes wieder gearbeitet hat und nach den acht Wochen direkt wieder Vollzeit arbeiten gegangen ist, während Omas und Opas das Baby bespaßen, den Haushalt und die Einkäufe schmeißen, hallen jetzt seit Monaten in meinem Kopf nach und hinterlassen dort immer noch einen tiefen Eindruck – obwohl ich das nicht möchte. Mich ärgern diese Sätze. Denn ganz ehrlich finde ich, dass Mütter, die Teilzeit arbeiten oder sogar ganz bei den Kindern zu Hause bleiben, häufig mehr arbeiten und zu tun haben, als „working-Mums“.

 

Wer meinen Artikel über ungefragte Einmischungen in die Erziehung gelesen hat und mich auch persönlich kennt, weiß, dass es mir eigentlich schnurzepiepe egal ist, wie andere ihr Familienleben gestalten, solange es nicht gegen das Wohl der Kinder geht. Deswegen soll sich mit diesem Beitrag auch keine Seite angegriffen fühlen.

 

Ich denke, dass jede Familie ihr Modell so aufbauen soll, wie es für sie am besten passt. Ende Gelände.

 

Ich möchte hier aber einmal zeigen, welches Pensum eine Teilzeit-Mum bewältigt, da diese so häufig im Büro/Geschäft/… mit fiesen Vorurteilen zu kämpfen haben.



Ja, was denn nun?! 

- Richtig machen kann man es als

(Teilzeit) arbeitende Mama anscheinend sowieso nicht...

(Teilzeit) arbeitende Mütter müssen sich viel Kritik anhören. Recht machen kann man es niemandem...

Kennste, oder?!

 

Zeit, mal mit ein paar dieser Vorurteile aufzuräumen. Von wegen Freizeit...


So, liebe Kritiker der Teilzeit-Mütter – jetzt bekommt ihr mal als Beispiel meinen Tagesplan mit einem sechs Monate alten Babyjungen und einer zweieinhalbjährigen Spaßrakete. Ach ja, selbstständig von zu Hause bin ich ja auch noch mit ca. 30 Stunden pro Woche seitdem der Kleine 12 Wochen alt ist. Da mich die oben zitierte Aussage wirklich nachdenklich gestimmt hatte, habe ich mal meinen normalen „Arbeitsplan“ notiert – und, was soll ich sagen… meine 40 Stunden im Büro, bei denen ich mich mit Kunden, Vorgesetzten und der IT herumgeärgert habe, waren dagegen easy going…


03:30 bis 04:00 Uhr: wuäääh! Guten Morgen - Stillen mit Baby

 

04:30 bis 05:00 Uhr: Baby ist ausgeschlafen

 

05:30 Uhr: Baby schläft wieder, Tochter ist wach – die Nacht ist zu Ende, ich bereits seit zwei Stunden wach.

 

06:30 Uhr: Aufstehen, Kinder anziehen. Frühstück für alle. Nach zehnmaligem Nachfragen, weiß ich, was in die Brotdose für den Kindergarten soll.

 

07:15 Uhr: Mann verlässt Haus und wünscht mir „viel Glück“. – Haha. Schnell E-Mails checken, ob etwas Wichtiges anfällt und alle Kurs-E-Mails ordentlich versandt worden sind.

 

07:20 bis 08:50 Uhr: Mama ins Bad, Tochter ins Bad. Nach endlosen Diskussionen sind die Zähne geputzt und die richtige Spange auf dem Kopf.

 

08:50 Uhr: Beide Kinder anziehen, aufpassen, dass sich eins nicht schon wieder auszieht, während ich meine Jacke anziehe. Drei Wutanfälle meiner Tochter überstehen, weil wir die falschen Schuhe anziehen.

 

08:00 bis 08:45 Uhr: Alle ins Auto, großes Kind in den Kindergarten. Einkaufen mit Baby oder Spielgruppe mit Baby.

 

08:45 bis 11:00 Uhr: Einkäufe auspacken, stillen, spielen mit Baby, staubsaugen, aufräumen. Gleichzeitig beantworte ich stehend mit Laptop in der Küche E-Mails, führe Telefonate, bearbeite Anfragen zu meinem Blog und bereite neue Beiträge vor. Wenn ich Glück habe, bekomme ich einen halbwarmen Kaffee und eine Banane.

 

11:15 Uhr: Mittagessen für Baby und Tochter und mich vorbereiten.

 

11:45 Uhr: Baby anziehen, mich anziehen. Ab ins Auto, Tochter vom Kindergarten abholen.

 

12:30 Uhr: Tochter hat vor Müdigkeit einen Wutanfall.

 

12:45 Uhr: Tochter und Baby bekommen Mittagessen. Nachdem der Essbereich halbwegs renoviert ist, kann ich mein mittlerweile kaltes Essen essen, während ich das müde, quengelnde Baby auf dem Arm habe und gleichzeitig mit meiner Tochter diskutiere, warum wir jetzt kein Fernsehen gucken.

 

13:00 Uhr: Tochter geht ein bisschen Lego spielen und ich versuche den Baby-Jungen zum Schlafen zu bewegen – vergeblich, weil Tochter mich in Megaphone-Lautstärke darüber informiert, dass die Lego-Kühe nicht in den von ihr gebauten Pool reinpassen.

 

13:30 Uhr: Wir geben den Plan mit dem Mittagsschlaf auf. Lego ist jetzt auch langweilig. Alle anziehen. Baby ins Tragetuch, Tochter aufs Dreirad. Spazieren. Bei zwei Grad und 99 Prozent Luftfeuchtigkeit. Oh ja… früher habe ich um diese Zeit schön im Lieblings-Café meine Mittagspause genossen. Mit einem Milchkaffee, den ich nicht mal bestellen musste, weil die tolle Bedienung wusste, was meine Kolleginnen und ich halt um diese Zeit so vorhatten…

 

14:30 Uhr: Wieder zu Hause. Tochter einmal komplett umziehen, nächsten Trotzanfall einer zweieinhalbjährigen überstehen (Autonomiephase, ich sag´s euch…), Obst schnipseln, einmal Luftholen.

 

15:00 bis 17:00 Uhr: Mit Glück kommt jetzt Besuch von Omas oder Opas, die die Kinder mal für ein bis zwei Stunden bespaßen oder wir besuchen für zwei Stunden Freunde mit Kindern. Sind die Großeltern hier, mache ich die Wäsche, putze und bügel und tue all solche Dinge, die ich so gar nicht mag, Fensterputzen zum Beispiel. Ach ja, zwischendurch will der Zwerg natürlich noch seine Milch. Haben wir keine Verabredungen, basteln, spielen oder backen wir oder gehen in den Garten. Natürlich könnte ich die Kinder vor dem Fernseher oder dudelndem Spielzeug "parken". Das ist aber nicht meine Sicht von Kinderbetreuung ;-) Ich finde es toll, wenn die Kinder Spaß beim Helfen haben und gleichzeitig spielend selbstständig werden.

 

17:15 bis 18:00 Uhr: Mann kommt von der Arbeit, wundert sich, warum nicht aufgeräumt ist (grmpf), schnappt sich zum Glück die Kinder, fängt an aufzuräumen und spielt mit ihnen, während ich das Abendessen mache.

 

18:00 Uhr: Baby ins Bett bringen. Mann spielt mit Tochter.

 

18:15 bis 18:30 Uhr: weiterer Trotzanfall der Tochter, weil es noch gar nicht spät ist und sie nicht Zähneputzen möchte, weil „ich das einfach nicht will.“ Tochter irgendwie zum Zähneputzen gebracht und in Schlafanzug bekommen.

 

18:30 bis 19:00 Uhr: Kind ins Bett bringen oder Küche und Wohnzimmer aufräumen.

 

19:00 bis 20:30 Uhr: Arbeit an Blog / Coaching / Bügeln

 

20:30 Uhr: Feierabend oder in „Notfällen“ (wenn ich tagsüber nicht dazu komme), arbeite ich noch ein bisschen, wenn mein Mann schon ins Bett geht.

 

22:00 Uhr: schlafen

 

23:30 Uhr: Stillen

 

03:30 Uhr: Stillen

 

Und dann fängt das Ganze schon wieder von vorne an...


Und? Verkaufen Teilzeit-Mütter sich wirklich unter Wert oder haben Langeweile? Ich habe Euch hier einen ruhigen Tag ohne größere berufliche Termine, Kinderarzt, Badetage und - achja ca. 7-8 mal Windelnwechseln - oder Sonstiges beschrieben und denke, dass dieses Pensum, dass wohl alle Teilzeit-Mamas in ähnlicher Weise vollbringen, mindestens dem einer Person, die in Vollzeit arbeitet, gleichkommt oder dieses sogar noch übersteigt.

 

Ja, ich habe vor der Elternzeit einen tollen Vollzeitjob mit vielen Überstunden im Projektmanagement gehabt und auch in meinem Job davor als Führungskraft viel Verantwortung getragen. Natürlich habe ich viel aufgegeben, als ich bewusst zwei Elternzeiten direkt aneinandergehängt habe. Aber meiner Meinung nach passt es für mich ganz toll so. Ich arbeite selbstständig von zu Hause, kann mir (wenn alle mitspielen) meine Arbeitszeiten einteilen und kann alles, was ich während meines Studiums und meiner Arbeitsjahre erlernt habe, ins Coaching einbringen – und ich liebe es :-)

 

Und ja, auch ich schlage häufig insgeheim die Hände überm Kopf zusammen und frage mich, ob dieser Spagat zwischen Job (den ich immer dabei habe, weil ich von zu Hause arbeite) und Mama-Sein so ideal ist. Ich könnte auch einfach wieder Vollzeit in meinen alten Job einsteigen, in ruhigerer Umgebung als zu Hause arbeiten und nach der Betreuung meine Kinder wieder einsammeln. Dann aber sage ich mir, dass diese Freiheit, die wir uns hier geschaffen haben, vielleicht gesellschaftlich nicht so anerkannt ist (Mitarbeiterin im Vertriebsmanagement klingt halt toller als Mama, die von zu Hause arbeitet), dass es aber für uns in unserer Situation gerade richtig so ist.

 

Und solange Du und Deine Familie das sagen könnt: „Es passt genauso, wie es jetzt ist!“ – könnt ihr lieben Teilzeit-Mamas erhobenen Hauptes vor Eure Vollzeit-Kollegen treten, denn ihr wuppt verdammt viel mehr als „nur“ ein paar Stunden Arbeit am Tag. Geht raus und verbessert die Welt ;-)

 

P.S.: Während ich das hier geschrieben habe, habe ich eine Zweijährige auf dem Schoß, die ununterbrochen meckert, weil sie nicht tippen darf, habe Äpfel geschnitten, Wasser aus verschütteten Bechern aufgewischt, ein Baby bespaßt und Kinderlieder gesungen. - Ich finds großartig.


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Den Mama-Alltag gelassen meistern...

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Was tust Du gegen „mentale“ Langeweile?

Oder fordern Dich ganz andere Dinge in Deiner Elternzeit?

Ich freue mich auf Deine Geschichte!

 

 

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Carina Morgenroth, Wirtschaftspsychologin (B.SC.), Coach, Mama von zwei tollen Kindern, verrückt nach Agatha Christie-Krimis und das Gesicht von Mama-Glück.

Mein Ziel ist es,

Dich dabei zu unterstützen, glücklich und entspannt Mutter sein zu können

und Deine privaten und beruflichen Ziele zu verwirklichen.


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